
Gleitschirmfliegen, oder auch Paragliding genannt, ist eine der faszinierendsten Sportarten überhaupt. Das Gleitschirmfliegen hat mittlerweile tausende von Fans, die diesen Sport ausüben.
Die Menschen haben wohl schon immer vom Fliegen geträumt. Doch gerade mal etwas über ein Jahrhundert ist es her, als wir es geschafft haben, diesen Traum auch in die Wirklichkeit umzusetzen. Die ersten Flugversuche wurden mit Zeppelinen, Ballonen und primitiven Flugzeugen gemacht. Es dauerte weit bis ins 20. Jahrhundert hinein, bis Fliegen zu einer Selbstverständlichkeit wurde.
Das Gleitschirmfliegen – Paragliding – wurde Mitte der 80er Jahre erfunden. Verrückte Schweizer stürzten sich mit „besseren Bettlaken“ in die Tiefe. Es waren vor allem Bergsteiger, die nach stundenlangem Aufstieg Gleitsegel zur Abkürzung des Rückweges benutzten. Stundenlange Flüge, wie sie heute die Regel sind, waren mit den ersten Gleitschirmen noch nicht möglich. Durch die selbstgefertigten Flugschirme war es noch ein risikoreiches Abenteuer.
Wer das Gleitschirmfliegen als Sport oder Hobby betreiben möchte, muss sich in zugelassenen Flugschulen ausbilden lassen. Um erst einmal herauszufinden ob Gleitschirmfliegen für einen das richtige ist, sollte man dies bei einem Tandemflug ausprobieren. Viele Flugschulen bieten Tandemflüge an und kosten so um die 100 Euro. Bei einem Tandemflug nehmen speziell ausgebildete Piloten Fluggäste mit auf die Reise. Diese Erfahrung ist nicht nur für zukünftige Flugschüler interessant, sondern auch für diejenigen, die einfach mal das Gleitschirmfliegen erleben möchten.
Die Gleitschirmschulen bieten verschiedene Kurse an, erste Erfahrungen kann man in einem Schnupperkurs sammeln. Diese sind in der Regel noch nicht allzu teuer und kosten inklusive Leihausrüstung rund 100 Euro. In einem Schnupperkurs wird das Starten und Landen am Übungshang gelernt und erste Gleitflüge in geringer Höhe absolviert. Bei diesen Übungen bekommt man schon ein gutes Gefühl für das freie Schweben.
Ein Grundkurs besteht aus der Kombination Theorie und Praxis. In der Theorie lernt der Flugschüler das Wichtigste über Technik, das Verhalten in besonderen Situationen, Meteorologie und Luftrecht.
Die Praxis wird dem Schüler vermittelt wie er sich und seinen Gleitschirm auf den Flug vorbereitet, wie man startet und nach einem kurzen Flug wieder sicher landet. Der Höhenunterschied der ersten 20 Gleitschirmflüge beträgt zwischen Start- und Landeplatz ca. 40m bis 100m.
Nach dem Grundkurs folgt die eigentliche Ausbildung zum beschränkten Luftfahrerschein. Der beschränkte Luftfahrerschein erlaubt es dem Gleitschirmflieger nur Flüge zwischen einem bestimmten Start- und Landeplatz durchzuführen. Für Überlandflüge braucht man den unbeschränkten Luftfahrerschein.
Die Ausbildung zum beschränkten Luftfahrerschein ist in mehrere Ausbildungsteile gegliedert. Im ersten Teil werden 15 Flüge durchgeführt, es ist ein Höhenunterschied von bis zu 300m zu überwinden. Es folgen weitere 25 bis 30 Gleitschirmflüge, bei denen bis zu 400m Höhenunterschied zwischen Start- und Landeplatz überwunden werden müssen. Die Flüge müssen in zwei verschiedenen Fluggebieten absolviert werden. Der Schüler wird während der Flüge immer von seinem Lehrer betreut, in der Regel sind es sogar zwei Ausbilder, einer für die Startphase und ein Ausbilder überwacht die Landung.
Wie beim Grundkurs gibt es natürlich auch einen Theorieteil. Dabei werden erneut Verhalten in der Luft, Meteorologie, Luftrecht, die Technik des Gleitschirms und natürlich auch die Flugfiguren durchgesprochen. Wie bei jeder Ausbildung gibt es am Ende eine theoretische und praktische Prüfung. Hat der Flugschüler diese bestanden, bekommt er den beschränkten Luftfahrerschein und darf allein von bestimmten Startplätzen und dem dazu ausgewiesenen Landeplatz fliegen. Der beschränkte Luftfahrerschein kostet zirka 800 bis 900 Euro.
Voraussetzung für den unbeschränkten Luftfahrerschein ist mindestens ein Jahr Praxis und 20 Alleinflüge, die von einer Flugschule bestätigt worden sind. 10 Flüge davon müssen einen minimalen Höhenunterschied von 500m aufweisen und 10 eine minimale Flugdauer von 30 Minuten haben. Die Flüge müssen mindestens in zwei verschiedenen Fluggebieten stattgefunden haben. Sind diese Voraussetzungen alle erfüllt, kann sich der Pilot zum unbeschränkten Luftfahrerschein anmelden.
In der Ausbildung werden verschiedene Techniken weiter verfeinert, unter anderem Notabstiegshilfen, Start, Landung und Klapper (Ein Klapper ist eine Deformation des Gleitsegels). Es folgt eine theoretische und praktische Prüfung. Mit dem unbeschränkten Luftfahrerschein darf man endlich so weit fliegen wie man möchte, immer unter Berücksichtigung der Luftraumbestimmungen. Mit modernen Paraglider sind Entfernungen von 100km und mehr keine Seltenheit.
Mit den deutschen Luftfahrerscheinen darf man auch im europäischen Ausland fliegen, einzig in Italien und der Schweiz muss man sich eine IPPI-Card vom Deutschen Hängegleiter Verband ausstellen lassen.
Video: Gleitschirmfliegen in Kössen / Tirol
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